PG Vorspessart
Pastoral der Zukunft – In einer außerordentlichen Pfarrversammlung diskutierten am Freitagabend, dem 5. Mai 2017, zahlreiche Katholiken mit dem Seelsorgeteam über die Zukunft unserer Pfarreiengemeinschaft St. Vitus im Vorspessart. Ziel war es, ein Votum für die Bistumsleitung abzugeben. Es fiel eindeutig für die Fortsetzung der Zusammenarbeit aus.

Der Saal des Sailaufer Bürgerzentrums war mit rund 200 Personen dicht gefüllt – ein Zeichen dafür, dass den Mitchristen aus Rottenberg, Feldkahl, Sailauf und Eichenberg ihr kirchliches Leben am Herzen liegt. Angekündigt in den Pfarr- und Mitteilungsblättern, auf Plakaten, Handzetteln und der Pfarreihomepage war das Treffen schon seit Ostern, doch hatte sicherlich der tags zuvor erschienene Artikel im Main Echo das Interesse vieler zusätzlich geweckt.

Der Abend stand unter dem Thema: „Auflösen oder zusammenbleiben? – Hintergründe, Folgen und Auswirkungen für die Seelsorge vor Ort hinsichtlich der Pastoral der Zukunft.“
Die Pfarreiengemeinschaft, die faktisch seit 2003 besteht und 2010 offiziell errichtet wurde, liegt im Grenzbereich von zwei der drei geplanten pastoralen Räume, die im Dekanat Aschaffenburg-Ost entstehen sollen. Somit hätten die Katholiken bei uns die Möglichkeit, ein Votum abzugeben, erklärte Gemeindereferentin Angelika Kunkel, die dem Planungsteam der Seelsorgekonferenz im Dekanat angehört.

Zusammenlegung zu pastoralen Räumen

Nach der Begrüßung durch Pfarrer Uwe Schüller, der sich erfreut über die große Teilnehmerzahl zeigte und eine Einführung in die Thematik gab, informierten die Gemeindereferentinnen Angelika Kunkel und Maria Fries anhand einer Powerpointpräsentation über die Planungsschritte des Bistums, wie Seelsorge künftig gestaltet werden soll. Die Notwendigkeit dazu werde immer offensichtlicher: Weniger Priester und Hauptamtliche, weniger Kirchenbesucher und Kirchensteuerzahler, weniger Ehrenamtliche in der Kirche seien Faktoren, auf die die Kirche reagieren müsse. Die Zusammenlegung von Pfarreiengemeinschaften zu noch größeren „Pfarreien neuen Typs“ dürfe jedoch nicht zu einer Anonymisierung führen, sondern fordere zu neuen Ideen heraus, wie Kirche vor Ort bunt und lebendig bleiben könne.

Dass unsere Pfarreiengemeinschaft (PG) mit „nur“ vier Gemeinden und rund 4500 Katholiken in der bisherigen Form keinen Bestand haben wird, sondern künftig mit anderen PGs zusammenarbeiten muss, wurde im Laufe der detaillierten Ausführungen des Seelsorgeteams deutlich. Frau Fries rief den Besuchern einen Großteil der Angebote und Aktivitäten ins Bewusstsein, die sich in den letzten Jahren bei uns bereits gemeinsam entwickelt haben: „Ungewohnte Wege zu gehen, Neues zu entdecken, Beziehungsgeflechte aufzubauen“ seien sehr bereichernde Erfahrungen für alle Beteiligten gewesen.

Zunächst zwei Optionen

Die Anwesenden waren daraufhin aufgerufen, über zwei Optionen nachzudenken und sich für eine auszusprechen: Sollen Rottenberg und Feldkahl, die politisch zu Hösbach gehören, künftig mit Hösbach, Goldbach und Johannesberg im Westen zusammenarbeiten, Sailauf und Eichenberg mit Laufach und Gemeinden des Hochspessarts im Osten, was die Trennung unserer PG bedeuten würde, oder wollen sie zusammenbleiben (und sich als Ganzes in einem größeren Verbund nach Osten orientieren)? Begründet sei dies durch die Katholikenzahl, die im Osten des Dekanates durch die ländliche Struktur weitaus geringer sei, als in den Orten im „Speckgürtel Aschaffenburgs“. Eine gewisse Ausgewogenheit werde von der Bistumsleitung angestrebt, so Pfarrer Schüller. Er betonte, dass es sich dabei lediglich um ein Votum handle, die Entscheidung jedoch der neue Bischof zu gegebener Zeit treffen werde.

Die sich anschließende lebhafte und emotionale Diskussion der Versammlung, die mit Teilnehmern aus allen vier Dörfern ausgewogen besetzt war, führte zunächst dazu, dass man sich zusammen mit dem Seelsorgeteam dazu entschloss, das Votum bereits an diesem Abend abzugeben.

Weitere Zusammenarbeit befürwortet

Mit überwältigender Mehrheit sprachen sich die Teilnehmer für eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit unserer vier Kirchengemeinden aus. Bereits Gewachsenes solle weiterentwickelt und gestärkt werden.
Aufgrund der Lebensgewohnheiten (Arbeit, Schule, Einkaufsverhalten, öffentlicher Nahverkehr, etc.) waren sie sich aber darin einig, sich künftig lieber nach Westen ausrichten zu wollen.
Um dem Nachdruck zu verleihen, wurde der gemeinsame Ausschuss der Pfarrgemeinderäte beauftragt, in einem Brief an die Bistumsleitung die Beweggründe darzulegen. Pfarrer Schüller und Frau Kunkel versprachen, das Anliegen im Dies (Seelsorgekonferenz) Ende Juli vorzutragen.

So endete die Versammlung nach eineinhalb Stunden konstruktiven Miteinanders in positiver, zuversichtlicher Stimmung, wie es Christen zukommt, die sich von Gott begleitet wissen. So bekräftigte es auch die letzte Einstellung der Präsentation mit dem Liedtext aus dem Gotteslob: „Wer glaubt ist nie allein, du, Herr, wirst mit uns sein mit deiner Kraft, die Leben schafft. Wer glaubt, ist nicht allein.“

 Susanne Mahlmeister

 

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